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1. Todestag
 

 

 

 

 

Vielleicht werden sich manche wundern, dass der 1. Todestag unter "Hilfreiches" zu finden ist, aber damit meine ich folgendes:

Wir hatten beschlossen, dass wir den 1. Todestag aktiv gestalten wollten, er sollte uns nicht überrollen, überfallen, mit uns machen können, was er wollte, sonder WIR wollten bestimmen, wie er aussehen sollte.

So fragten wir Christian Anton, unseren evangelischen Pfarrer, ob er einen Gedenkgottesdienst für unsere Kinder halten könne. Wir waren sehr dankbar, dass er sich dazu bereit erklärte. Wir suchten Lieder, Texte und Fürbitten aus und gestalteten ein Ritual, dass uns und denen, die mit uns trauerten Hoffnung auf ein Weiterleben vermitteln sollte: jeder, der wollte, durfte sich einen Stein aussuchen, den wir mitgebracht hatten und ihn - mit einem Satz verbunden oder im Stillen vor den Altar legen - später dann stellte jeder eine Kerze zu seinem Stein.  So sollte das Schwere und Belastende in etwas Helles, Hoffnung- und Lichtspendendes verwandelt werden. Wir luden all die Menschen ein, die uns in diesem schrecklichsten Jahr unseres Lebens so liebevoll zur Seite gestanden hatten.

Am 28.6.2003 feierten wir also das Leben unserer Kinder! Wie viel hatten sie uns in ihren kurzen Leben gegeben! Dafür sind wir unendlich dankbar. Wir waren fast 60 Menschen, die sich nach dem Gottesdienst im Garten der Kirche bei schönstem Sonnenschein, Kaffe und Kuchen zusammen an Julia und Tobias erinnerten. Es wurde viel geweint, aber auch sehr viel gelacht. Eine Freundin meinte anschließend, dass ein Passant wohl niemals erraten hätte, warum wir an diesem Nachmittag zusammengekommen waren.

Ein wundervoller Text von Kurt Tucholsky: "Die Parabel von den Zwillingen" zum Thema "Leben nach dem Tod" war ein Stein auf meinem Weg zum festen Glauben, dass mit dem Tod ganz sicher nicht alles endet.  

 
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Stand: 03. Februar 2012

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