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Gedichte & Texte
 

 

 

 

 

Es gibt so viele wundervolle Texte und Gedichte, die meiner Sehnsucht nach den Kindern und den Schmerz um ihren Verlust oftmals so berührend genau Ausdruck verliehen haben, dass ich hier gerne einige hineinstellen möchte.

Wo bist du?

Ich spüre deine Küsse noch
so feucht auf meiner Haut,
ich höre deine Stimme noch
mal zärtlich und mal laut.

Ich spüre deine Blicke noch
mal schelmisch und mal sanft,
ich höre deine Schritte noch,
wenn du gelaufen kamst.

Ich sehe deine Haare noch,
sie flattern hell im Wind,
du warst doch grade noch bei mir
wo bist du nur, mein Kind?

Marina Szczecinski

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

Ricarda Huch


Geliehen und geschenkt

Wir sind uns nur geliehen am Weg,
Augenblicke lang.
Zeit genug für einen Flügelschlag der Seele
und für ein Lächeln der Hände.
Geliehen sind wir uns und manchmal

einen Herzschlag lang geschenkt.....!

Die wir lieben,
sind nur geborgt.
Wann sie gehen,
entscheiden wir nicht.
Wir entscheiden,
ob wir die Erinnerung
als Geschenk annehmen wollen."
heide kriegbaum

Hoffnung.....
ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

Memento
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind ??

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben,
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr;
- Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Mascha Kaleko

Ich bin nicht tot,
ich tausche nur die Räume.
Ich leb’ in Euch
Und geh’ durch Eure Träume
Michelangelo

Auf der anderen Seite des Wegs
Der Tod ist nichts.
Das, was wir für euch waren, sind wir immer noch.
Gebt uns die Namen, die ihr uns immer gegeben habt.
Sprecht mit uns, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht nicht eine andere Redensweise,
seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam
gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an uns,
damit unsere Namen im Hause ausgesprochen werden,
so wie es immer war
ohne irgend eine besondere Betonung,
ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Warum sollen wir nicht mehr in eueren Gedanken sein,
nur weil wir nicht mehr in eurem Blickfeld sind?
Wir sind nicht weit weg,
nur auf der anderen Seite des Wegs. 

Charles Peguy

Marie-Luise Wölfing
Kleve im Dezember 1986

Der Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle,
die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen
nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann,
was mich bewegt.

Gesegnet seien alle,
die mir zuhören,
auch wenn das,
was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen.
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle,
die mich trösten
und mir zusichern,
daß Gott mich nicht verlassen hat.

Oh Herr, birg Du uns alle
in Deiner Hand;
nimm Du Dich unserer an.
Bei Dir bleiben wir -
ganz gleich, ob wir noch leben
oder gestorben sind.

Manchmal
 Manchmal
kommen alte Bilder, obwohl du sie nicht gerufen hast.
Dann kehrt wieder Traurigkeit in dein Herz zurück,
und in dieser Traurigkeit, obwohl sie dich belastet,
befindet sich Wärme,
die dich mit dem Verstorbenen verbindet und du fühlst
dich ihm ganz nahe.

Manchmal
Spürst du neben dieser Traurigkeit Sehnsucht nach diesem Menschen
Und das beschwert das Herz.
Dann tauchen immer wieder die Fragen auf,
Warum? Wie? Wieso?
und du holst die Bilder hervor,
gehst immer wieder die Vergangenheit in Gedanken durch,
warum gerade mir?

Manchmal
Kommen Tage, da bist du abgelenkt und denkst nicht mehr daran
was geschehen war, fühlst dich ein wenig freier und erschrickst dich.

Manchmal
Kommt ein schlechtes Gewissen, das es kurze Zeiten der beginnenden Freude gibt.
Darfst du das schon ?

Manchmal
Begreifst du, dass es ein Wandel in dir ist.
Langsam spürst du, die Seele vergisst nicht,
Die Gedanken haben alles genau aufgezeichnet.
Aber das beginnende Wohlfühlen geschieht mit dem Einverständnis des Verlorenen;
Langsam darfst du lernen, ohne das Verlorene zu Leben.

Manchmal
Und immer öfter kommt die Zeit, da blickst du in Dankbarkeit auf die Zeit eures
Zusammenlebens zurück
und manchmal ahnst du :
eines Tages wirst du mit dem Verlorenen verbunden sein ,
und mit allen, mit denen dich Liebe verband.

Sybille Jatzko

An Euch denken, so wie jetzt,
Euch weit weg lächeln sehn im Schlaf.
Die Hand durch die Nacht in Euer Haar schicken
Und einen Kuss wie eine Sternschnuppe
Durch Euren Traum.
Die Ferne aufrollen wie eine Schnur
An deren Ende Eure Wärme ist.

Juliane, Mama von Hannes und Lisa
 

Entreiße den Tag der Vergänglichkeit

Den Augenblick eh er vergeht.
Sei in ihm. Nimm den Duft
Der Rose wahr, ein Wort,
scheinbar so hingesagt.
Vernimm den Amselgesang,
und den Geruch eines Frühsommerabends.
Lass die Nacht mit dem Vollmond im November
Und das lautlose Geflüster der Schneeflocken
Nicht andachtslos vorüber.
Was Du wahrnimmst beliebt dem Erinnern.
Vergehen?
Stetige Ankunft von Leben!

Theresia Hauser

 

"Was der Mensch auch gewinnt, er muss es teuer bezahlen,
wäre es auch nur mit der Furcht, ob er's nicht wieder verliert."

Christian Friedrich Hebbel

Jedes Jahr um die gleiche Zeit,
stirbt mein Herz deinen Tod.

 Wenn der Kalender den Sommer anzeigt,
falle ich mitten in den Winter.

 Wenn die Natur Bunt anlegt,
sehe ich Grau.

 Wenn die Sonne sich auf den Gesichtern spiegelt,
ist sie für mich in Trauer.

 Jedes Jahr, um die gleiche Zeit,
sterbe ich deinen Tod.

 Um danach das Atmen neu zu lernen.

Renate Salzbrenner

Sein Unglück ausatmen können tief ausatmen,
 so dass man wieder einatmen kann
Und vielleicht auch sein Unglück sagen können

in Worten in wirklichen Worten,
die zusammenhängen und Sinn haben und
die man selbst noch verstehen kann
und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht

oder verstehen könnte
Und weinen können
das wäre schon fast wieder Glück

Erich Fried

Herbst    

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Es gibt sie noch -es gibt noch Schmetterlinge     

 An einem späten 
Herbsttag
warm und sonnig noch
da sah ich sie
auf einer alten
Friedhofsmauer
in einem stillen
kleinen Dorf
Die Mauer war
ganz überwachsen
mit dichtem Laub
und da –
wie bunte Edelsteine
hingestreut
auf dunkelgrünem Samt –
da sah ich sie
sah wieder
Schmetterlinge
Die ich so lange schon
aus unsrer Zeit
verschwunden glaubte

Gitta Deutsch

Die Trauerwelle     

 Wenn die Trauerwelle kommt
Und sich an meiner Seele bricht
Dann lade ich sie ein zu mir.

 Und wenn jede Zelle dann in mir
Ganz gesättigt ist von ihr
Dann fließt sie wieder heraus aus mir.

Und ich fange sie auf
In einer großen Schale
In die ich Seerosen setze.

 Karin Weber

Tod und Hoffnung

In tiefstes Schwarz tauch meine Welt,
mal meine Tage Grau in Grau.
Bedeck die Sonne mit meines Herzens Schatten
und verhülle alle Spiegel.

Wasch das Lächeln in meinen blutigen Tränen,
nimm jede Freude aus jedem Gesicht.
Wickle die Glocken in Regenwolken,
und nimm den Geigen ihre Saiten.

Mein Kind ist tot.
Halt die Welt an,
dass sie mit mir weint!
Klag die Welt an,
dass sie sich weiterdreht!
Mein Kind ist tot.

Aus schwarzem Grund nach langer Zeit
erhebt die Hoffnung grün ihr Haupt.
Leuchtet als ein winzger Punkt,
der größeres verheißt!

Sag, dass ich nicht vergessen muss,
um Neues zu erleben.
Dass alle Farben wieder blühen,
nur anders - in Pastell.
Maria Hüwener

 

Was kannst Du anderes tun,
als den Schmerz auszuhalten,
ihn zu ertragen,
ihn auszutragen
wie ein Kind?

Der Schmerz
braucht seine Zeit,
bis durch ihn hindurch
Neues geboren
werden kann.
Das allein gibt
dem Schmerz
Sinn:
Dass Du nicht vergeblich leidest,
sondern dass

aus ihm
eines Tages
neues Leben
in Dir erwächst.

(Verfasser mir nicht bekannt)
 

 
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Stand: 03. Februar 2012

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