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Die Geschichte vom Fluss und der Wüste                   

 Eine alte persische Geschichte erzählt: Ein Fluss wollte durch die Wüste zum Meer. Aber als er den unermesslichen Sand sah, wurde ihm Angst und er klagte: „Die Wüste wird mich austrocknen und der heiße Atem der Sonne wird mich vernichten.“ Da hörte er eine Stimme, die sagte:“ Vertraue dich der Wüste an.“ Aber der Fluss entgegnete:“ Bin ich dann noch ich selber? Verliere ich nicht meinen Identität?“ Die Stimme aber antwortete:“ Auf keinen Fall kannst Du bleiben, was du bist.“

 So vertraute sich der Fluss der Wüste an. Wolken sogen ihn auf und trugen ihn über die heißen Sandflächen. Als Regen wurde er am anderen Ende der wüste wieder abgesetzt. Und aus  den Wolken floss ein Fluss, schöner und frischer als zuvor. Und der Fluss freute sich und sagte: „Jetzt bin ich wirklich ich.“

 

Ein Schnurps grübelt

Also, es war einmal eine Zeit,
da war ich noch gar nicht da.-
Da gab es schon Kinder, Häuser und Leut‘
und auch Papa und Mama,
jeden für sich -
bloß ohne mich!

Ich kann mir‘s nicht denken. Das war gar nicht so.
Wo war ich denn, eh es mich gab?
Ich glaub, ich war einfach anderswo,
nur, dass ich‘s vergessen hab,
weil die Erinnerung daran verschwimmt. -
Ja, so war‘s bestimmt!

Und einmal, das sagte der Vater heut,
ist jeder Mensch nicht mehr hier.
Alles gibt‘s noch: Kinder, Häuser und Leut‘,
auch die Sachen und Kleider von mir.
Das bleibt dann für sich -
bloß ohne mich.

Aber ist man dann weg? Ist man einfach fort?
Nein, man geht nur woanders hin.
Ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
Das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
Ja, so wird es sein!


Michael Ende

 

 

 

 

 

 

Vielleicht ist es kein Weggehen
sondern Zurückgehen?

Sind wir nicht unterwegs
mit ungenauem Ziel
und unbekannter Ankunftszeit
mit Heimweh im Gepäck?

Wohin denn sollten wir gehen
wenn nicht nach Hause zurück?

(Anne Steinwart)

 

 

 
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Stand: 03. Februar 2012

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